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Erst wurden wir Papst, nun wurden wir stolzer Dritter – und die WM ist vorbei. Ein Rueckblick….

Vier Wochen voller Hoffen und Bangen, Freude und Trauer, Fussball und Bier, Fahnen und Tore sind vorbei. Stell Dir vor, es ist WM und keiner guckt zu. So kommt es einem leider in den USA vor. Miserable Einschaltquoten, leere Bars und verwaiste Fernseher. Nur in New York merkte man ansatzweise, dass WM war. Nun – wir gaben unser Bestes hier, um etwas Stimmung aufkommen zu lassen und die Mannschaft zu unterstuetzen.
Die Arbeit wurde unterbrochen und Termine umgeplant, um in unserer Stammlocation die Gruppenspiele zu sehen. 20060629-quaterfinal-wc-001.jpgDazu gings immer ins Nassau Inn, einem Hotel im Herzen von Princeton, das eine schoene Bar bot – und zwar mit Grossbildschirm. 9h Spiele hatten die Deutschen zum Glueck nicht, doch der 12h Anpfiff stand immer fest im Outlook. Dies lies sich dann auch gut mit der Mittagspause verbinden. Die Nachmittagsspiele (3h) wurden – wenn nicht mit deutscher Beteiligung – nur in der zweiten Haelfte verfolgt. Dann im Steak&Hoogie, gerade mal 5 Min. von Siemens entfernt. Schliesslich musste natuerlich auch hin und wieder gearbeitet werden. Nachdem zu Anfang noch mehrere Locations von Interns besucht wurden, sprach sich das Nassau Inn dann doch als beste Location herum (die WashingtonRoadCrew mit Ihrem Feingespuer fuer Partylocations war natuerlich von Anfang an da).

autoflagge.JPGZum Achtelfinale gegen Schweden waren wir ca. 30 Siemensianer, die zusammen erfolgreich die Daumen drueckten. Erstmal fuehr ich nach diesem Sieg meine Autoflagge (in den USA nichts besonderes) spazieren.

Das Viertelfinale gegen Argentinien an einem Freitag um 11h wurde dann schon von ca. 70 Fans verfolgt – sowohl Deutsche als auch Franzosen, Schweizer und und und… Das Ende dieses Spiel ist bekannt und so ging es in einem Autokorso zurueck zu Siemens – nicht alle fanden dann den Weg zur Arbeit sondern feierten erstmal mit nem BBQ und nem Bierchen, bevor das zweite Spiel des Tages anstand. Schliesslich wurde unser naechster Gegner ermittelt. Nichts gegen das Nassau Inn, aber ich sagte dem Kellner, der uns mittlerweile ganz gut kannte, nach dem Viertelfinale, das das leider unser letzter Besuch hier war, weil das Halbfinale an einem Feiertag stattfindet und wir somit nach NY gehen und das Finale dann ja sowieso in NY schauen werden, um in grosser Menschenmasse dann den Weltmeistertitel zu feiern. Wer Argentinien schlaegt wird auch Weltmeister – dachten wir.

cimg0011.JPGNun also Halbfinale. In NY. Nein, nicht Little Italy, sondern ein grosses Irish Pub, welches sich bei Interns rumgesprochen hatte. So versammelten sich ca. 25 deutsche Interns unabhaengig von einander im Herzen von NY. Wir trafen noch NYer Freunde und verfolgten so das Halbfinale mit diesem spaeten Schock und traurigem Ende. Der ersten Niedergeschlagenheit und Trauer um die verpasset Chance folgte recht bald schon am Abend das Bewusstsein, eine tolle WM gesehen zu haben und eine schoen aufspielende duetsche Mannschaft zu haben, die Freude bereitet hat. Wir konnten und koennen stolz sein. Auch auf die Art und Weise, wie die Deutschen mit Ihrer WM umgegangen sind und die auslaendischen Fans empfangen und aufgenommen wurden. Das Feuerwerk des Indepence Days versuesste zwar nicht den Finaleinzug, aber machte Vorfreude auf ein Fussballfeuerwerk am Samstag.

Am vorletzten Tag der 4 Wochen stand das kleine Finale an. Im Nassau Inn – tja, meine Ankuendigung, nicht mehr zu kommen, war durch das verlorene Halbfinale hinfaellig. Vielleicht haetten wir im Nassau Inn bleiben sollen? War das vielleicht unser Gluecksbringer? Zumindest freute sich der Wirt, nochmal stimmungsvolle 90 Minuten in seiner Bar erleben zu duerfen. Auch diesmal waren noch ca. 15 Interns treu vorm Fernseher. Ein schoenes Spiel , ein 3:1, ein dritter Platz, viel Emotion – ein versoehnlicher Abschluss, der stolz machte. Daher wehte auch am vorletzten Tag der WM meine Deutschlandfahne auf dem Heimweg am Auto. Die letzten Minuten und Nachberichte des Spiels schauten wir uns dann abends nochmal genuesslich zu Hause an. Dazu goennte ich mir das letze KoePi, das Fritzi mir mitgebracht hatte und das seit Anfang Juni auf das letzte Spiel der Deutsche bei mir im Kuehlschrank wartete. Nun war es also soweit und die WM fand einen wuerdigen Abschluss (s. Bild ganz oben)

cimg0008.jpgSelbstbewusst zu seinem Land, seinen Farben und Symbolen zu stehen – in Deutschland haben es die Deutschen zumindest fuer 4 Wochen – hoffentlich aber fuer wesentlich laenger – geschafft. Es wurde gesunder Patriotismus gezeigt, ohne ins Extreme ueberzugehen. In einem Land wie den USA ist Patriotismus sowieso nichts Aussergewoehnliches, manchmal sogar too much. So sollte man meinen, die meisten deutschen Interns haetten zumindest hier den Mut gezeigt, die Hymne vor dem Spiel mitzusingen. Bezeichnend jedoch: beim Spiel gegen Schweden herrschte bei allen (bis auf zwei Ausnahmen) Stille. Es war so ruhig, dass ein Amerikaner fragte, warum wir nicht mitsingen wuerden? Es ware doch unsere Nationalhymne! Vielleicht haetten einige von uns in Deutschland sein sollen…

Alles weitere zur WM: